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Ratgeber · Trockenbau

Rigips oder Fermacell?

Gipskarton gegen Gipsfaser – was die Datenblätter hergeben, wo der Unterschied wirklich zählt und was wir in Kieler Wohnungen einsetzen.

Die kurze Antwort

Beides sind Platten für denselben Zweck, aber aus unterschiedlichem Material. Rigips ist eine Marke für Gipskartonplatten: ein Gipskern zwischen zwei Kartonlagen. Fermacell ist eine Marke für Gipsfaserplatten: Gips und Papierfasern gleichmäßig durchmischt, ohne Karton. Von beiden gibt es Konkurrenzprodukte anderer Hersteller.

Für eine normale Trennwand im Wohnraum reicht Gipskarton – er ist leichter, billiger und schneller zu verarbeiten. Gipsfaser lohnt sich dort, wo Feuchtigkeit, Lasten oder Masse eine Rolle spielen: im Bad und an Wänden, an denen später etwas hängen soll. Alles Weitere sind Details – aber manche davon kosten im Nachhinein richtig Geld.

Der direkte Vergleich

Alle Werte für die übliche Plattendicke von 12,5 mm. Zeile antippen, dann steht da, was die Zahl in der Praxis bedeutet.

KriteriumGipskartonGipsfaser

Quellen der Zahlen stehen am Ende. Welche Platte in welcher Dicke und Lagenzahl bei Ihnen sinnvoll ist, hängt vom Wandaufbau ab – was in einer Trockenbauwand steckt, steht auf der Leistungsseite.

Das Gewicht entscheidet mehr, als man denkt

Der Dichteunterschied klingt nach einer Zahl für Techniker. In der Praxis entscheidet er, wer die Platten trägt, was die Decke aushält und wie leise die Wand wird.

Gipskarton
≥ 680 kg/m³
Gipsfaser
1.150 kg/m³
  • Transport. Eine Platte im Format 2,00 × 1,25 m wiegt in Gipskarton etwa 21 kg, in Gipsfaser rund 36 kg. Im vierten Stock ohne Aufzug ist das der Unterschied zwischen einem Mann und zweien – bei jeder einzelnen Platte.
  • Holzbalkendecke. An einer abgehängten Decke hängt die Beplankung dauerhaft an der Konstruktion: rund 14,5 kg je Quadratmeter in Gipsfaser gegenüber 8,5 in Gipskarton, bei zwei Lagen entsprechend das Doppelte. Im Altbau gehört dieser Unterschied vorher gerechnet, nicht hinterher gemessen – was dort sonst noch auf einen zukommt, steht in den fünf teuren Überraschungen.
  • Schall. Masse dämmt. Bei sonst gleichem Wandaufbau liegt Gipsfaser deshalb vorn – den größeren Hebel haben aber Dämmung, Profilart und dichte Anschlüsse, nicht das Plattenmaterial.

Was wirklich an der Wand hängen soll

Die häufigste Enttäuschung im Trockenbau kommt nicht von der Platte, sondern von der Erwartung. Das Merkblatt der Branche teilt Lasten in drei Stufen – und nur die erste hält eine normale Wand ohne Vorbereitung.

bis 0,4 kN/m

Leichte Konsollasten

Rund 40 kg je laufendem Meter. Bilder, Regalbretter, Hängeschränkchen. Ein Schrank mit 0,3 m Tiefe und 0,8 m Breite darf danach etwa 50 kg wiegen – je tiefer er ausladet, desto weniger.

bis 0,7 kN/m

Mittlere Konsollasten

Rund 70 kg je laufendem Meter. Dafür muss die Beplankung mindestens 18 mm dick sein – auch mehrlagig erreichbar – und es darf keine freistehende Vorsatzschale sein.

über 0,7 kN/m

Schwere Lasten

Hänge-WC, Waschtisch, Hängeschrank über zwei Metern. Hier hält keine Platte mehr etwas: Es braucht Traversen, Montageplatten oder Tragständer im Ständerwerk.

Die Regel, die sich jeder merken sollte: Sanitärobjekte, Handläufe und Haltegriffe werden immer auf einer Traverse montiert – unabhängig davon, welche Platte davorsitzt. Und bei Regalen und Schränken gilt grundsätzlich: mindestens zwei Befestigungspunkte. Wer weiß, was später an die Wand soll, sagt es vor dem Beplanken. Danach ist es ein Loch in einer fertigen Wand.

Im Bad ersetzt keine Platte die Abdichtung

Das ist das häufigste Missverständnis rund um dieses Thema. Weder eine imprägnierte Gipskartonplatte noch eine Gipsfaserplatte ist eine Abdichtung. Beide sind Untergrund – die Abdichtung kommt darauf.

Maßgeblich ist die DIN 18534 mit ihren Wassereinwirkungsklassen. Der Bereich einer bodengleichen Dusche fällt in die Klasse W2-I, bei offenen Duschen gehört die gesamte Bodenfläche dazu. Die Abdichtung muss dort mindestens 20 Zentimeter über die höchste Zapfstelle geführt werden, in zwei Lagen aufgetragen. Der übrige Badboden liegt meist in W1-I.

Im unmittelbaren Duschbereich kommen je nach Abdichtungssystem auch andere Plattentypen in Frage. Welcher Aufbau zu Ihrem Bad passt, entscheidet sich am Untergrund und am gewählten System – das legen wir beim Vor-Ort-Termin zusammen fest, nicht vorher am Schreibtisch.

Was man später sieht, ist in beiden Fällen dieselbe Fliese. Was man nicht sieht, entscheidet, ob in fünf Jahren die Nachbarwand feucht wird. Mehr dazu auf der Seite zur Badsanierung in Kiel.

Was wir in Kieler Wohnungen einsetzen

Keine Grundsatzentscheidung, sondern eine pro Wand. In einer Wohnung kommen oft beide Platten vor.

Trennwand im Wohn- oder Schlafzimmer

Gipskarton. Nichts hängt dran, nichts wird nass, die Wand soll gerade und schnell stehen. Zwei Lagen, wenn es ruhiger werden soll.

Bad und Vorwandinstallation

Gipsfaser oder imprägnierter Gipskarton. Welche der beiden, entscheidet eher der Betrieb als der Raum – beide funktionieren, solange der Rest stimmt.

Dachschrägen im ausgebauten Dach

Gipskarton. Hier zählt jedes Kilo, das über Kopf an der Sparrenkonstruktion hängt. Mehr dazu beim Dachgeschossausbau.

Wand, an die ein Regal soll

Gipsfaser – oder Gipskarton mit eingebauter Traverse an der richtigen Stelle. Das ist die Entscheidung, die man vor dem Beplanken trifft.

Welche Platte gehört in Ihre Wand?

Wir schauen uns den Raum an, fragen, was später dranhängen soll, und schreiben es ins Angebot – mit Plattentyp, Lagenzahl und Traversen an den richtigen Stellen.

Trockenbau anfragen

Gipsfaser: Produktdatenblatt fermacell Gipsfaser-Platte (DIN EN 15283-2, Rohdichte 1.150 kg/m³, Baustoffklasse A2) sowie die Planungs- und Verarbeitungsunterlage des Herstellers (Flächengewicht, Fugenbreiten, Befestigung) · Gipskarton: Herstellerangaben Knauf Bauplatte GKB 12,5 mm (DIN EN 520 Typ A, Rohdichte ≥ 680 kg/m³, A2-s1,d0) · Lasten: Merkblatt 06 „Befestigung von Konsollasten an Trockenbau-Konstruktionen“, Nachdruck 2024 · Abdichtung: DIN 18534 · Einschätzungen zur Praxis: eigene Erfahrungswerte der Casarenova UG.

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