Rigips oder Fermacell?
Gipskarton gegen Gipsfaser – was die Datenblätter hergeben, wo der Unterschied wirklich zählt und was wir in Kieler Wohnungen einsetzen.
Die kurze Antwort
Beides sind Platten für denselben Zweck, aber aus unterschiedlichem Material. Rigips ist eine Marke für Gipskartonplatten: ein Gipskern zwischen zwei Kartonlagen. Fermacell ist eine Marke für Gipsfaserplatten: Gips und Papierfasern gleichmäßig durchmischt, ohne Karton. Von beiden gibt es Konkurrenzprodukte anderer Hersteller.
Für eine normale Trennwand im Wohnraum reicht Gipskarton – er ist leichter, billiger und schneller zu verarbeiten. Gipsfaser lohnt sich dort, wo Feuchtigkeit, Lasten oder Masse eine Rolle spielen: im Bad und an Wänden, an denen später etwas hängen soll. Alles Weitere sind Details – aber manche davon kosten im Nachhinein richtig Geld.
Der direkte Vergleich
Alle Werte für die übliche Plattendicke von 12,5 mm. Zeile antippen, dann steht da, was die Zahl in der Praxis bedeutet.
Gipsfaser ist deutlich dichter, weil Gips und Papierfasern durchmischt sind, statt dass der Gips zwischen zwei Kartonlagen liegt. Hinter dieser einen Zahl stecken fast alle Unterschiede darunter – im Guten wie im Schlechten.
Nennwerte der Hersteller für 12,5 mm. Bei zweilagiger Beplankung kommt jeweils das Doppelte je Quadratmeter Wandfläche zusammen – und bei einer Wand zählt beides, Vorder- und Rückseite.
Zwei Normen für zwei Werkstoffe, kein Qualitätsunterschied. Praktisch zählt nur die Typenbezeichnung, die auf jeder Gipskartonplatte aufgedruckt ist: Typ A ist die Standardplatte, Typ H die imprägnierte für Feuchträume, Typ F die mit erhöhtem Brandschutz. Wer vor dem Stapel im Baumarkt steht, sucht genau diesen Buchstaben.
Beide sind nach DIN EN 13501-1 als nichtbrennbar eingestuft. Hier gibt es keinen Gewinner. Wer höhere Brandschutzanforderungen hat – etwa in einem Mehrfamilienhaus oder im Gewerbe – braucht ohnehin einen geprüften Wandaufbau, nicht nur eine bestimmte Platte.
Gipsfaserplatten sind durchgehend hydrophobiert und für häusliche Feuchträume freigegeben. Bei Gipskarton braucht es dafür die imprägnierte Variante – die grüne Platte. Beide ersetzen keine Abdichtung, dazu weiter unten mehr.
Richtwerte aus dem Merkblatt 06 des Bundesverbands Ausbau und Fassade, jeweils bei zweilagiger Beplankung mit 12,5 mm. Der Faktor vier ist der größte Unterschied zwischen beiden Platten überhaupt. Mit Metall-Hohlraumdübeln fällt er kleiner aus: einlagig 0,15–0,30 kN bei Gipskarton gegenüber 0,25–0,35 kN bei Gipsfaser.
Gipsfaserplatten lassen sich auf Stoß verkleben: Fugenbreite höchstens 1 mm, rund 20 ml Kleber je laufendem Meter. Das ergibt eine durchgehend feste Fläche ohne Armierung. Wird stattdessen gespachtelt, braucht die Fuge bei 12,5 mm bewusst 6 bis 9 mm Abstand – also genau andersherum als beim Kleben.
Gipskarton wird angeritzt und gebrochen, das geht leise und schnell. Gipsfaser ist deutlich härter: Sägen statt Brechen, mehr Staub, stumpfere Klingen und spürbar mehr Zeit pro Zuschnitt. Bei verwinkelten Altbauräumen mit vielen Schnitten macht das einen echten Unterschied in der Bauzeit.
Gipsfaser kostet pro Platte spürbar mehr – wie viel genau, hängt von Händler und Menge ab. Für das Angebot ist das aber selten der Posten, der entscheidet: Den größeren Teil machen Unterkonstruktion, Dämmung, Arbeitszeit und die vereinbarte Spachtelqualität aus. Und ein Teil des Aufschlags kommt zurück, wenn dafür an einigen Stellen keine Spezialbefestigung nötig wird. Was Trockenbau bei uns pro Quadratmeter kostet, steht auf der Leistungsseite – und was eine ganze Wohnung kostet, in den Richtwerten für Kiel.
Quellen der Zahlen stehen am Ende. Welche Platte in welcher Dicke und Lagenzahl bei Ihnen sinnvoll ist, hängt vom Wandaufbau ab – was in einer Trockenbauwand steckt, steht auf der Leistungsseite.
Das Gewicht entscheidet mehr, als man denkt
Der Dichteunterschied klingt nach einer Zahl für Techniker. In der Praxis entscheidet er, wer die Platten trägt, was die Decke aushält und wie leise die Wand wird.
- Transport. Eine Platte im Format 2,00 × 1,25 m wiegt in Gipskarton etwa 21 kg, in Gipsfaser rund 36 kg. Im vierten Stock ohne Aufzug ist das der Unterschied zwischen einem Mann und zweien – bei jeder einzelnen Platte.
- Holzbalkendecke. An einer abgehängten Decke hängt die Beplankung dauerhaft an der Konstruktion: rund 14,5 kg je Quadratmeter in Gipsfaser gegenüber 8,5 in Gipskarton, bei zwei Lagen entsprechend das Doppelte. Im Altbau gehört dieser Unterschied vorher gerechnet, nicht hinterher gemessen – was dort sonst noch auf einen zukommt, steht in den fünf teuren Überraschungen.
- Schall. Masse dämmt. Bei sonst gleichem Wandaufbau liegt Gipsfaser deshalb vorn – den größeren Hebel haben aber Dämmung, Profilart und dichte Anschlüsse, nicht das Plattenmaterial.
Was wirklich an der Wand hängen soll
Die häufigste Enttäuschung im Trockenbau kommt nicht von der Platte, sondern von der Erwartung. Das Merkblatt der Branche teilt Lasten in drei Stufen – und nur die erste hält eine normale Wand ohne Vorbereitung.
bis 0,4 kN/m
Leichte Konsollasten
Rund 40 kg je laufendem Meter. Bilder, Regalbretter, Hängeschränkchen. Ein Schrank mit 0,3 m Tiefe und 0,8 m Breite darf danach etwa 50 kg wiegen – je tiefer er ausladet, desto weniger.
bis 0,7 kN/m
Mittlere Konsollasten
Rund 70 kg je laufendem Meter. Dafür muss die Beplankung mindestens 18 mm dick sein – auch mehrlagig erreichbar – und es darf keine freistehende Vorsatzschale sein.
über 0,7 kN/m
Schwere Lasten
Hänge-WC, Waschtisch, Hängeschrank über zwei Metern. Hier hält keine Platte mehr etwas: Es braucht Traversen, Montageplatten oder Tragständer im Ständerwerk.
Die Regel, die sich jeder merken sollte: Sanitärobjekte, Handläufe und Haltegriffe werden immer auf einer Traverse montiert – unabhängig davon, welche Platte davorsitzt. Und bei Regalen und Schränken gilt grundsätzlich: mindestens zwei Befestigungspunkte. Wer weiß, was später an die Wand soll, sagt es vor dem Beplanken. Danach ist es ein Loch in einer fertigen Wand.
Im Bad ersetzt keine Platte die Abdichtung
Das ist das häufigste Missverständnis rund um dieses Thema. Weder eine imprägnierte Gipskartonplatte noch eine Gipsfaserplatte ist eine Abdichtung. Beide sind Untergrund – die Abdichtung kommt darauf.
Maßgeblich ist die DIN 18534 mit ihren Wassereinwirkungsklassen. Der Bereich einer bodengleichen Dusche fällt in die Klasse W2-I, bei offenen Duschen gehört die gesamte Bodenfläche dazu. Die Abdichtung muss dort mindestens 20 Zentimeter über die höchste Zapfstelle geführt werden, in zwei Lagen aufgetragen. Der übrige Badboden liegt meist in W1-I.
Im unmittelbaren Duschbereich kommen je nach Abdichtungssystem auch andere Plattentypen in Frage. Welcher Aufbau zu Ihrem Bad passt, entscheidet sich am Untergrund und am gewählten System – das legen wir beim Vor-Ort-Termin zusammen fest, nicht vorher am Schreibtisch.
Was man später sieht, ist in beiden Fällen dieselbe Fliese. Was man nicht sieht, entscheidet, ob in fünf Jahren die Nachbarwand feucht wird. Mehr dazu auf der Seite zur Badsanierung in Kiel.
Was wir in Kieler Wohnungen einsetzen
Keine Grundsatzentscheidung, sondern eine pro Wand. In einer Wohnung kommen oft beide Platten vor.
Trennwand im Wohn- oder Schlafzimmer
Gipskarton. Nichts hängt dran, nichts wird nass, die Wand soll gerade und schnell stehen. Zwei Lagen, wenn es ruhiger werden soll.
Bad und Vorwandinstallation
Gipsfaser oder imprägnierter Gipskarton. Welche der beiden, entscheidet eher der Betrieb als der Raum – beide funktionieren, solange der Rest stimmt.
Dachschrägen im ausgebauten Dach
Gipskarton. Hier zählt jedes Kilo, das über Kopf an der Sparrenkonstruktion hängt. Mehr dazu beim Dachgeschossausbau.
Wand, an die ein Regal soll
Gipsfaser – oder Gipskarton mit eingebauter Traverse an der richtigen Stelle. Das ist die Entscheidung, die man vor dem Beplanken trifft.
Welche Platte gehört in Ihre Wand?
Wir schauen uns den Raum an, fragen, was später dranhängen soll, und schreiben es ins Angebot – mit Plattentyp, Lagenzahl und Traversen an den richtigen Stellen.
Trockenbau anfragenGipsfaser: Produktdatenblatt fermacell Gipsfaser-Platte (DIN EN 15283-2, Rohdichte 1.150 kg/m³, Baustoffklasse A2) sowie die Planungs- und Verarbeitungsunterlage des Herstellers (Flächengewicht, Fugenbreiten, Befestigung) · Gipskarton: Herstellerangaben Knauf Bauplatte GKB 12,5 mm (DIN EN 520 Typ A, Rohdichte ≥ 680 kg/m³, A2-s1,d0) · Lasten: Merkblatt 06 „Befestigung von Konsollasten an Trockenbau-Konstruktionen“, Nachdruck 2024 · Abdichtung: DIN 18534 · Einschätzungen zur Praxis: eigene Erfahrungswerte der Casarenova UG.